Historische Orgel

Historische Orgel

Breitbrunns alte Orgel im neuen Klang (Foto und Text: Dr. Eckart Rohlfs)

Vor genau 150 Jahren, im Jahre 1861, erhielt die Breitbrunner Dorfkirche St. Johannes Baptist ein Orgelinstrument aus der Werkstatt des Münchner Orgelbauers Franz Zimmermann. „Braitprun“ am Ammersee, urkundlich schon 1098 ausgewiesen, ist mit seiner alten Dorfkirche aus dem 16. Jahrhundert, St. Johannes dem Täufer gewidmet, schon in der Apian-Karte von 1560 ausgewiesen. Als vor fünf Jahren die Bausubstanz dieser Kirche renoviert wurde, reichte es nicht mehr für die offensichtlich altersschwächliche Orgel, die trotz wiederholter und vielleicht nicht ganz fachgerechter Eingriffe „die Grenzen der Spielbarkeit“ erreicht hat, aber zugleich als originelles, wertvolles und schützenswertes Instrument bezeichnet wird. Vor vier Jahren äußerte sich der Orgelsachverständige beim Bischöflichen Ordinariat Augsburg gutachterlich: die Orgel stelle ein schönes Zeugnis ihrer Zeit dar und stehe unter Denkmalschutz. Sie sei von guter Substanz, befinde sich allerdings in schlechtem Zustand und sei stark verschmutzt. Sie bedürfe deshalb einer gründlichen Reinigung, Überholung und technischen Sanierung.

Mit seinen nur fünf Manual- und einem Pedal-Register entsprach das Instrument den Bedürfnissen zur Begleitung des Gemeindegesangs. Die Musik und damit die Register-Disposition der Instrumente aus der Mitte des 19. Jahrhunderts orientierten sich, dem Zeitgeschmack folgend, mehr einem romantischen, gefühlsbetonten Klangideal.

Offensichtlich war im Laufe der 150 Jahre bei Überholungsarbeiten erheblich in die Substanz des originalen Instrumentes eingegriffen worden. Zwei Register gingen dabei verloren. Nun war es Aufgabe der Restaurierung den mutmaßlich originalen Zustand mit allen noch verwendbaren ursprünglichen Bauteilen der mechanischen Traktur, des Blasbalgs und der Tastaturen nach entsprechender Reinigung wieder herzustellen und das Instrument spielfähig zu machen, auch die zwei fehlenden Register wieder zu ersetzen.

Im Herbst 2010 baute der mit der Restaurierung betraute Orgelbaumeister Robert Wech das Instrument gänzlich aus, zerlegte es in seiner Werkstatt in Buchloe gewissenhaft in all seine Teilen und machte dabei allerhand Entdeckungen zur Baugeschichte, die er mit den Orgel-Experten der Denkmalpflege und der Diözese beriet, exakt dokumentierte und daraus das Restaurierungskonzept entwickelte und realisierte. Orientierung gab dabei auch ein in Niederbayern gefundenes ähnlich konzipiertes Referenzinstrument desselben Orgelbauers aus der gleichen Zeit.

Initiiert wurde die Wiederherstellung der Orgel mit einer Spendensammlung anlässlich der Goldenen Hochzeit eines Münchner-Breitbrunner Bürgers. Am Kostenvolumen von rund 45.000 Euro beteiligte sich schließlich die Bürgerstiftung des Landkreises Starnberg (VR-Bank), die Diözese Augsburg und die Charlotte Böhme-Roth-Stiftung mit der Hypo-Vereinsbank. Dazu kamen beantragte Zuschüsse der Bayerischen Landesstiftung, des Landesamtes für Denkmalpflege, des Bezirks Oberbayern sowie weitere Beiträge privater und privatwirtschaftlicher Seite, und Breitbrunner Musiker beteiligten sich mit Benefizkonzerten.

Jetzt ist das Instrument wieder an seinen Platz in der alten Kirche zurückgekehrt. Am 9. Oktober 2011, exakt zum 150. Geburtstag erhielt die Gemeinde ihr wieder spielbar gemachtes Instrument zurück.