Typisch evangelisch – typisch katholisch

Typisch evangelisch – typisch katholisch

Dekan Stefan Reimers und Pfarrer Simon Rapp waren die Diskussionspartner beim Gesprächstag am 10. März im voll besetzten Gemeindesaal der ev. Kirche in Herrsching. Die Hauptaufgabe der modernen Kirche sieht der katholische Pfarrer Rapp darin, „Gott lebendig zu halten“. Unterschiedliche Traditionen könnten unterschiedliche Menschen erreichen. Auch der Papst, so Reimers, habe nacheigenem Zeugnis „eine Glaubensgeschichte mit Höhen und Tiefen“. Bei Kirche gehe es nicht um Strukturen – diese seien nur der Rahmen – sondern um Möglichkeiten für Menschen, sich zu entwickeln, das Entscheidende sei „die Zwischenmenschlichkeit“. Da kann auch einmal der evangelische Pfarrer einen katholischen Sterbenden mit Weihwasser aus Altötting segnen oder der
katholische Pfarrer einen evangelischen Gläubigen bestatten.
„Wozu braucht es eigentlich zwei Kirchen, wenn in einer Platz für alle ist“ fragte Diakon Weinen, der den Abend moderierte. Es müsse keine gemeinsame Kirchenstruktur geben, meinte Reimers, Gemeinschaft gebe es aber in Bezug auf Gott. Unterschiedlichkeit sei nichts Trennendes sondern etwas Bereicherndes, man könne voneinander lernen und „das gemeinsam tun, was geht“: ökumenische Gottesdienste, Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Problemen,Erwachsenenbildung, evtl. gemeinsame Kirchentage, gemeinsame Feste bis hin zu gemeinsamer Raumnutzung.
Wo er Hindernisse für Zusammenarbeit sehe, wollte Diakon Weinen wissen. Dazu Pfarrer Rapp:manche Dinge seien zu überwinden, etwa die Verweigerung der Kommunion für Menschen anderen Glaubens – „wir erlauben uns vieles selbst nicht“ – aber die Gemeinde wolle oft auch einfach „das Ihre behalten“. Dekan Reimers warnt vor einem „Absolutheitsanspruch“: „Ich kann einem anderen seine Überzeugung lassen und auf ökumenischer Ebene in unterschiedlicher Weise Christ sein.“ Pfarrer Rapp: „ Als Pfarrer brauchen wir ein weites Herz, wir sind für die Menschen da“, die Kirche sei mehr als eine Sozial- oder Kulturinstanz.
Auf den Mitgliederschwund in den Kirchen angesprochen, stellt Pfarrer Rapp fest, es gebe heute eine Freiheit wie noch nie in unserer Gesellschaft, es sei gut, „dass wir die Freiheit haben, zu entscheiden.“ Dekan Reimers weist darauf hin, dass sich viele Jugendliche engagierten, Tauffeste würden angenommen, Erfolge seien nicht an vollen Gottesdiensten zu messen. „Und die Heiligen?“ fragte ein Zuhörer. Reimers und Rapp bezeichnen sie einmütig als „Vorbilder“.
Der überaus freundliche Gedankenaustausch zwischen den beiden Kirchenrepräsentanten wurde mit großem Beifall bedacht.